{"id":6608,"date":"2016-11-17T23:14:10","date_gmt":"2016-11-17T21:14:10","guid":{"rendered":"http:\/\/passioncolorseverything.com\/blog\/?p=6608"},"modified":"2016-11-18T14:22:35","modified_gmt":"2016-11-18T12:22:35","slug":"nur-wohre-liebe-un-da-duud-sinn-endjuldisch-un-absolut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/passioncolorseverything.com\/blog\/?p=6608","title":{"rendered":"Nur wohre Liebe un d\u00e4 Duud sinn endj\u00fcldisch un absolut"},"content":{"rendered":"<p><strong>BAP &#8211; Westfalenhalle 1, Dortmund; 15. November 2016<\/strong><\/p>\n<p><em>&#8220;Keiner wei\u00df, wie lang\u2018 die Deiche hahle<\/em><br \/>\n<em>un ab wann mir Zins un Zinseszins bezahle.<\/em><br \/>\n<em>Viel zu lange ha\u2018m wir alle akzeptiert,<\/em><br \/>\n<em>dass man Fakten einfach ignoriert.<\/em><br \/>\n<em>Schulterzuckend, su als ob nix w\u00f6hr,<\/em><br \/>\n<em>wegluhrt un verdr\u00e4ngk un resigniert.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Wie eine Reise durch Absurdistan konnte einem die letzte Woche wahrlich vorkommen &#8211; ein b\u00f6ser Traum, aus dem es leider die n\u00e4chsten vier Jahre kein Erwachen geben wird. In solchen Tagen konnte ich wirklich gute ein wenig Hoffnung brauchen, ein wenig Ablenkung auch und einfach das Gef\u00fchl mit meiner Angst und meiner Wut nicht alleine zu sein. Irgendwie waren BAP immer dann da, wenn die Welt aus den Fugen geraten schien, ob im ersten Golfkrieg unter Busch oder eben nach der Wahl von Donald Trump. Auch gestern Abend taten sie genau das, was ich von ihnen erhofft hatte: sie kommentierten durch wenige Worte, aber mit genau passenden Liedern und gaben jeder und jedem von uns einen Auftrag: &#8220;Arsch huh, Z\u00e4ng ussenander!&#8221; Vielleicht haben sie damit der einen oder dem anderen wieder Mut gemacht, den Kopf eben nicht in den Sand zu stecken. Einen sch\u00f6nen Abend bereitet haben sie uns allemal und wer diese Lieder h\u00f6ren und mitsingen kann, ohne \u00fcber die Inhalte nachzudenken, dem ist sowieso nicht zu helfen. F\u00fcr mich war und ist BAP eine Band, die auch politisch ist, die sich \u00e4u\u00dfert du keine Angst davor hat, unbequem zu sein. Schon immer sprechen sie mir aus dem Herzen, genauso wie sie meinen Kopf ansprechen. Heute noch so\u00a0wie bei meinem ersten Konzert 1989.<\/p>\n<p>Die Anreise war gem\u00fctlich an diesem Abend, es gab Sitzpl\u00e4tze, die ich vor Jahren noch abgelehnt h\u00e4tte, aber jetzt doch ganz bequem fand. Da es auch noch ein Konzert zu Hause war, kam ich schnell am Veranstaltungsort an und vertrieb mir die Wartezeit mit der suche nach bekannten Gesichter. Ich fand keine, sah aber viele Menschen, die sich genauso auf das Konzert freuten wie ich. Es w\u00fcrde sicher gut werden.<\/p>\n<p>Koot nach Aach war es dann auch so weit und die\u00a0Band betrat die B\u00fchne. Mit &#8216;Frau ich freu mich ging&#8217;s los&#8217; und ich sang schon mit bevor mein Gehirn noch den Titel des Songs gefunden hatte. Lieder, die ich vor 20 Jahren auswendig gelernt habe, vergesse ich fast nie. \ud83d\ude42 Wolfgang schaute in die Runde und ich bilde mir ein, dass sein Blick dabei kurz an mir h\u00e4ngen blieb, aber er kann genauso gut jemanden neben oder hinter mir angeschaut haben. Die Zeiten, als ich unheilbar zehn und mehr Konzerte pro Tour besuchte haben sich ja schon seit einer Weile ge\u00e4ndert. Wie dem auch sei, ich l\u00e4chelte, sang und freute mich, einfach dort sein zu d\u00fcrfen. &#8216;Ne sch\u00f6ne Jroo\u00df&#8217; sprach mir immer noch aus der Seele und f\u00fcr die n\u00e4chsten drei Stunden lie\u00df ich mich von der Musik tragen.<\/p>\n<p>Wolfgang begr\u00fc\u00dfte uns mit einer Anmerkung \u00fcber die etwas zu gro\u00df geratene Halle, die in\u00a0Teilen abgeh\u00e4ngt war. Werner habe vorgeschlagen &#8220;Ich hatte die Halle gr\u00f6\u00dfer in Erinnerung&#8221;. \ud83d\ude09 Im n\u00e4chsten Song ginge es um Fu\u00dfball, Musik und die Pubert\u00e4t, da war &#8216;Nix wie bessher&#8217; und weiter ging&#8217;s mit Klassikern und neuen St\u00fccken. Schon nach den ersten beiden Liedern wollte ich aufspringen, beherrschte mich aber noch, bis der erste in meiner Sitzreihe stand. Witzigerweise taten es mir dann viele gleich und bei &#8216;Aff un zo&#8217; stand der Saal. Wolfgang witzelte, dass der n\u00e4chste Song wieder ruhiger sei, wo wir doch grad so sch\u00f6n st\u00fcnden. Wir k\u00f6nnten nat\u00fcrlich auch stehen bleiben, er sei ja kein Turnlehrer. \ud83d\ude09 \u00dcberhaupt war er gut gelaunt und streute auch so manche Anekdote ein, so auch die Geschichte vom Vollkasko-Desperado, bei dem er sich nach Abholen des obligatorischen Selfies und der Aussage das letzte Album habe er in den 80ern gekauft dann &#8220;vorkam wie ein Hirschgeweih&#8221;. Zwischendurch hatte ich auch hin und wieder das Gef\u00fchlt, er schaut, ob ich mitsinge, was ich auch meistens tat, aber das war sicher nur Einbildung meinerseits.<\/p>\n<p>Dennoch war der Abend nicht nur Spass, es gab auch nachdenkliche T\u00f6ne: &#8220;Wenn man merkt das alles relativ ist, ist man erwachsen&#8221; und auch ernste Worte dar\u00fcber, dass er beim Schreiben von Absurdistan vor ca. einem Jahr sicher nicht geglaubt hatte ein Trump k\u00f6nne die Wahl gewinnen, das sei unfassbar. Sp\u00e4testens bei &#8216;Vision von Europa&#8217; und &#8216;Diego Paz wohr n\u00fcngzehn&#8217; zeigte sich dann auch wieder, dass diese Band nach wie vor politisch ist, aber wer dass nicht weiss, der kann auch seit Jahren nicht mehr zugeh\u00f6rt haben. Nat\u00fcrlich kamen auch die Rocksongs und Liebeslieder nicht zu kurz, es war einabwechslungsreiches Programm.<\/p>\n<p>Im Block der &#8220;ruhigen Lieder im Sitzen&#8221; wurde zun\u00e4chst bei &#8220;Jraduss&#8221; sehr sch\u00f6n und nat\u00fcrlich ohne G (&#8220;Im K\u00f6lschen jittet kein G&#8221;) mitgesungen. Danach sagte Wolfgang an, es sei eine Schei\u00dfwoche gewesen ind der dann auch noch Leonard Cohen verstorben sei, einer seiner ganz gro\u00dfen Vorbilder. Genau wie ich es erhofft hatte spielten sie ihm zu Ehren &#8216;Wat schriev mer in su enem Fall&#8217;, ihr cover von &#8216;Famous Blue Raincoat&#8217; und mir kamen nicht zum ersten Mal an diesem Abend die Tr\u00e4nen. Mit zwei Liebesliedern und Fans, die sich vor der ersten Reihe zum Zuh\u00f6ren hinhockten, endete der Block und ging in das heute noch aktuelle &#8216;Kristallnaach&#8217; \u00fcber. Auch nach 35 Jahren hat das Lied nichts an Kraft engeb\u00fc\u00dft und ist leider auch immer noch wichtig. &#8216;Arsch huh, Z\u00e4ng ussenander&#8217; gab dann auch gleich eine Idee mit, wie man sich verhalten kann, lautstarkt mitgesungen. Nach lauter wurde der Chor nat\u00fcrlich bei &#8216;Verdamp lang her&#8217; und ich konnte kaum glauben, dass schon \u00fcber zwei Stunden vergangen waren, als die Band die B\u00fchne verlie\u00df. Der Song lie\u00df mich im Gedanken abschweifen zu einem leider viel zu fr\u00fch verstorbenen v\u00e4terlichen Freund, auf den diese Zeilen pl\u00f6tzlich passten.<\/p>\n<p>Im Zugabenteil h\u00f6rten wir erst, dass wir uns die Freude am Leben nicht nehmen lassen sollten und dann fand ich mich gedanklich in der Welt von Alexandra wieder und musste ein wenig \u00fcber mich selbst lachen. Manchmal ist es gut, sich in ungewohnten Liedern zu erkennen. &#8216;Amerika&#8217; h\u00e4tte man ohne den Kontext in dem es vor 20 Jahren geschrieben wurde und ohne Ber\u00fccksichigung der Zeit von der es handelt, fast schon als zynisch deuten k\u00f6nnen. &#8220;Jeder\u00a0glisch&#8221; und &#8220;do kr\u00e4\u00e4t jeder sing Chance&#8221; ist in dem Land sicher schon lange nicht mehr wahr. Bei &#8216;Stell Dir v\u00fc\u00fcr&#8217; rechnete ich schon mit einer Umdichtung des Textes, aber das passierte nicht. War aber auch im Original gerne geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Zum Abschluss durfte ich mich noch \u00fcber &#8216;Rita mir zwei&#8217; freuen und dann gedanklich mit &#8216;Noh all denne Johre&#8217; \u00fcber den Rhein schiffern und dabei \u00fcber meinen eigene Wanderlust und Rastlosigkeit nachdenken. Ein sch\u00f6ner Abschluss, ein sch\u00f6ner Abend und auch sch\u00f6n zu wissen, dass ich das in diesem Jahr in K\u00f6ln noch einmal werde erleben d\u00fcrfen. \ud83d\ude42<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Setliste:<\/span><\/p>\n<p>Frau, ich freu mich<br \/>\nNe sch\u00f6ne Jroo\u00df<br \/>\nNix wie bessher<br \/>\nAnna<br \/>\nFortsetzung folgt<br \/>\nAff un zo<br \/>\nDie Ballade vom Vollkasko-Desperado<br \/>\nAlles relativ<br \/>\nAbsurdistan<br \/>\nVision von Europa<br \/>\nDiego Paz wohr n\u00fcngzehn<br \/>\nUnger Krahneb\u00e4ume<br \/>\nDausende vun Liebesleedern<br \/>\nJraaduss<br \/>\nWat schriev mer in su enem Fall<br \/>\nPaar Daach fr\u00f6her<br \/>\nDo kanns zaubere<br \/>\nKristallnaach<br \/>\nArsch huh, Z\u00e4ng ussenander<br \/>\nVerdamp lang her<\/p>\n<p>D\u00e4 Herrjott meint et joot met mir<br \/>\nHalv su wild<br \/>\nAlexandra, nit nur do<\/p>\n<p>Amerika<br \/>\nJupp<br \/>\nStell dur v\u00fc\u00fcr<\/p>\n<p>Rita, mir zwei<br \/>\nNoh all d\u00e4nne Johre<b><span style=\"color: #ffffff; font-family: Century Gothic; font-size: small;\"><span style=\"color: #ffffff; font-family: Century Gothic;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BAP &#8211; Westfalenhalle 1, Dortmund; 15. November 2016 &#8220;Keiner wei\u00df, wie lang\u2018 die Deiche hahle un ab wann mir Zins un Zinseszins bezahle. Viel zu lange ha\u2018m wir alle akzeptiert, dass man Fakten einfach ignoriert. Schulterzuckend, su als ob nix &hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/passioncolorseverything.com\/blog\/?p=6608\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[11,56,13,17,61],"class_list":["post-6608","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-concert","tag-bap","tag-dortmund","tag-fan","tag-germany","tag-westfalenhallen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/passioncolorseverything.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6608","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/passioncolorseverything.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/passioncolorseverything.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/passioncolorseverything.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/passioncolorseverything.com\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6608"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/passioncolorseverything.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6608\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6632,"href":"https:\/\/passioncolorseverything.com\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6608\/revisions\/6632"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/passioncolorseverything.com\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6608"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/passioncolorseverything.com\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6608"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/passioncolorseverything.com\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6608"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}