Postkarten aus fernen Ländern und Geschichten von zu Hause

Johna – Kattwinkel’sche Fabrik, Wermelskirchen; April 9th, 2022

Im März diesen Jahres hatten Johna ein erstes deutschsprachiges Album herausgebracht und das musste mit einem CD Release Konzert im April gebührend gefeiert werden. Die Halle war voll, die Musik klang super und alle hatten einen ganz wunderbaren Abend. Es war einfach nur schön.

Die Fahrt nach Wermelskirchen verlief stressfrei und als ich in der Kattwinkel’schen Fabrik ankam, war noch wenig los. Nach Einlass fanden wir uns alle im Saal wieder, viele noch mit Maske. Es war voll und di Erwartung war zu spüren. Nicht nur, weil sich alle darauf freuten, die neue Platte live zu hören und dass dafür die Band in voller Besetzung angetreten war, sondern auch, weil es für viele das erste Konzert nach langer Pause war.

Schon bald war Kolja auf der Bühne und begrüßte das Publikum. Er sagte, dass eine der Jugendlichen aus dem örtlichen Musikprojekt, Mara, an diesem Abend support spielen würde. Er erwähnte sie sei nervös und bat um einen extra lauten Applaus. Kein Problem! Mara setzte sich ans Klavier und spielte uns eine Eigenkomposition, eine wunderschöne Ballade. The Applaus war verdient. Es foglte ein cover namens ‘Wir sind hier’. Si bedankte sich für di chance, dort singen zu dürfen. Den nächsten Song, ‘Zombie’ von The Cranberries, widmete sie all denen, die aus der Ukraine flüchten mussten. Ihr letztes Lied war wieder ein eignes und ebenfalls sehr schön. Wir klatschten so laut, dass sie sogar noch eine Zugabe spielte. 🙂 Es war ein toller Start in den Abend.

Kurz darauf war es schon Zeit für Johna und die Band legte gleich lost mit ‘Geschichte’. Es war das erste Mal, dass ich die ganze Band spielen sah und es klang super. Sogar Sihna Maagé war als Background Sängerin mit dabei. Johna freute sich sichtlich und sagte, dass das letzte Bandkonzert 9 oder 10 Jahre her war. Danach erzählte sie von ihrem Opa, von dem sie die Reiselust geerbt hat und der ihre Reisen immer anhand ihrer Postkarten verfolgt hat. Sie spielte den Song ‘Postkarten’ and und es klappte nicht. “Ah, gleich verkackt.” 😀 Im zweiten Versuch lief dann alles super und das Lied war so schön, dass es mich sogar zum Weinen brachte. ❤️

Weiter ging’s mit ‘Flaschenpost’, das ein wenig country mäßig daherkam. Ich mußte die ganze Zeit lächeln, weil alles so toll klang und ich es einfach genoß auf einem Konzert zu sein. Johna erzählt, das sie noch ohne Social Media groß geworden sei und wie schwierig es schon in ihre Jugend war, wenn man nicht die richtigen Klamotten hatte und irgendwie nicht dazu gehörte, aber das durch social media und anonyme posts alles noch viel schwieriger sei. Daher ginge es in ‘Oh Lonely’ darum, dass wir alle schön und perfekt sind, so wie wir sind und alles langweilig wäre, wenn wir alle gleich aussähen und gleich gekleidet wären. Ein wirklich starker Song.

Danach wechselte sie erstmal zu Englisch und dem wunderbaren ‘Mountains’, weil ein Deutsches Album nicht ausreichte, um den ganzen Abend zu füllen. Sie fragte, wer schon auf ihren Konzerten war und war nicht und  meinte dann, sie könne die Geschichte nochmal erzählen. 2012 spielten sie ein kleine Tour an der Westküste der USA und auch ein kleines Konzert in Las Vegas – vor einem Gast. Auf dem Weg trafen sie einen Obdachlosen, der vor 16 Jahren alles verspielt hatte und seitdem darauf wartete genug zu erbetteln, um wieder nach Hause zu fahren. Daraus entstand ‘The Ballad of the Gambler’ – oft schreibt das Leben die besten Geschichten.

‘Angel Undercover’ brachte nach den Balladen mehr Power auf die Bühne. Es wurde sogar mitgeklatscht. Bisher war das Set sehr abwechslungsreich und wirklich toll. Der Sound der Band war großartig. Johna wechselte zum Klavier und es gab Gelächter, weil si nicht wußte, wohin sie das Mikro drehen sollte, so daß Kolja helfen mußte. 😀 Sie spielte ‘One More Time’. Zu ‘Filter’ erklärte sie, dass man heute kaum noch weiß, was wirklich ist, weil auf allen Fotos Filter liegen und sie sich manchmal fragt, ob sie ohne Filter gnug ist. Wow, was für ein Song!

Johna griff wieder zur Gitarre und wir wurden mittels Tambourine zum Mitklatschen aufgefordert. Es folgte eine jazzig angehauchte Version von ‘County Fair’ und mir fehlten sie Worte. 😀 Anschließend erzählt sie von einem Rachel XX Yamamoto? Konzert in Köln, wo sie einen Mann beobachtet hatte, der Blumen mit sich trug, zwei Stunden lang die Sängerin anschaute und sich am Ende nicht traute, ihr die Blumen zu überreichen. Daraus machte Johna den Song ‘Look in my Eyes’.

‘Sommertag’, der Song über ihren ganz plötzlich verstorbenen Vater, musste einfach auf Deutsch geschrieben werden. Auch wenn mein Vater nicht plötzlich verstorben ist, kann ich mich in diesem Text gut wiederfinden und mußte zum zweiten Mal an diesem Abend weinen. Mit ‘Windstille’ blieb es auch danach noch melancholisch, genauso wie ich es mag. Die Melancholie verflog dann aber sofort mit ‘Finn oder Viktor’ und wir bekamen zu hören, wie sie in Köln jeden Tag einen älteren Mann sah, der aussah wie ein Schotte und sich immer fragte, wie er heißt. Es gab schon vorher viel Gelächter, weil sie und auch Sihna bim Videodreh immer mit den vielen Namen im Text durcheinander kamen und es deshalb ein “Panikstück” war. An diesem Abend klappte aber natürlich alles und es klang toll. Ein Walzer. 😀

‘Worte’ war ebenfalls toll und danach wurde erstmal die Band vorgestellt und sich beim Publikum bedankt. ‘Flutwelle’ war dann der letzte Song vor den Zugaben. Natürlich ließ sich die Band nicht lange bitten und legte nochmal nach. Johna sagte, den nächsten Song hab sie gar nicht für Krieg geschrieben, sondern vor 1,5 Jahren geschrieben, aber er passte gerade sehr gut. “Wir sollten einfach füreinander da sein und nicht kämpfen”. <3Danach sollten wir uns “Love” und “Smile” merken zum Mitsingen. Es war ‘Your Love’ und das Singen klappte prima. Ein schöner Abschluss!

Anschließend ging ich noch zum Merch, wechselte ein paar Worte mit Johna und bedankte mich für die toll Show. Sie hatte genauso viel Spaß wie ich und jetzt wurde noch ein bißchen gefeiert. es war ein toller Abend.

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Setlist

Geschichte
Postkarten
Flaschenpost
Oh Lonely
Mountains
The Ballad of the Gambler
Angel undercover
On more Time
Filter
County Fair
Look in my Eyes
Sommertag
Windstille
Finn oder Victor
Worte
Flutwelle

Winterschlaf

Hück ess sing Band en der Stadt

BAP – Lanxess Arena, Köln; March 30th, 2022

Nach guter alter Tradition mußte Wolfgang Niedecken natürlich ein Konzert zu seinem Geburtstag spielen und da im vergangenen Jahr das Feiern im großen Stil nicht möglich war, feierte er eben in diesem Jahr 70 + 1. Es war insgesamt ein schöner Abend mit Gästen und guter Stimmung, obwohl es sich manchmal anfühlte als sein nix wie bessher. Am Ende war doch alles schön.

Trotz Impfung und Maskenpflicht machte mich der Gedanke an 12.000 Menschen in einer Halle ein wenig nervös, zumal es mein erstes Konzert in diesem Jahr war. Klar, ich hatte nicht zwei Jahre Pause gemacht, aber das letzte grosse Konzert war dann doch verdamp lang her. Ich kam später als für mich üblich bei der Halle an und stellte erstmal fest, dass es noch reichlich leer war. Außerdem trugen viele ihre Masken ach draußen und so sah ich null bekannte Gesichter. Kam trotzdem bald ins Gespräch und so verkürzte sich das warten. Der Platz in der ersten Reihe war sicher und irgendwann so koot vüür oder koot naach aach war es dann su wig.

Das Licht ging aus, die Band betrat zu Sinatras ‘It was a very good year’ die Bühne und legte passend mit ‘Hück ess sing Band in ner Stadt’ los. Es war toll, aber irgendetwas fehlte – mir schien es merkwürdig ruhig. Wo sonst lautstarkes Mitsingen zu hören war, kam mir das Publikum eher lahm vor. Klar, wir klangen hinter den Masken alle dumpf, aber machte das wirklich sooo leise? Bei ‘Waschsalong’ ging es dann schon besser ab, aber auch da schien es, als hätten einige das Wisch-Wasch Winken ein wenig verlernt. Hm. Ich fühlte mich komisch, es ging nicht so ab, wie ich gehofft hatte.

Trotzdem war ich froh dort zu sein und sehr rührend war beispielsweise der Moment, als wir Wolfgang zum Geburtstag gratulierten indem wir Rosen auf die Bühne warfen und er davon sichtlich gerührt war. Gut gelaunt war er auch und die Band barst gerade vor Spielfreude. Es war für alle lange her. Er berichtete von der Dylan Lesereise, die immer länger wurde und wenigstens ein bißchen die Konzerte ersetzte, aber natürlich nicht für alle und in viel kleinerem Rahmen.

Ich mochte die Setlist, größtenteils jedenfalls, ich sang mit und brauchte doch sehr lange zum Warmwerden. Als Gäste waren Thees Uhlmann, Julian Dawson, Mike Hertig, Clueso und Jürgen Zöller dabei. Alle hatten Spaß und machten den Abend bunter. Auf ‘Hungry Heart’ hätte ich aber trotzdem gerne verzichtet. ‘All de Aureblecke’ versöhnte mich schnell wieder und spätestens als bei ‘Do kanns zaubre’ überall in der Halle die Handys und sogar einzelne Wunderkerzen leuchteten war alles schön. Alle wichtigen lieder wurden gespielt, ein paar weitere Lieblingsstücke, wie ‘Absurdistan’ oder Drei Wünsch frei’ ware och dabei und so war es am Ende genau das, was ich mir erhofft hatte: Ein wirklich schöner Abend.

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Setlist

Hück ess sing Band en der Stadt
Jenau jesaat: Op Odyssee
Wahnsinn (The Troggs cover) / Waschsalon
Volle Kraft voraus
Musik, die nit stührt
Absurdistan
Drei Wünsch frei
Alexandra, nit nur do (with drum solo)

Acoustic
Für den Rest meines Lebens
Jraaduss
Mittlerweile Josephine
Jupp
Nix wie bessher
Müsli Män
Huh die Jläser, huh die Tasse
Aff un zo
Hungry Heart (Bruce Springsteen cover) (with Thees Uhlmann) (Jürgen Zöller on drums)
Jebootsdaachspogo (with Thees Uhlmann) (new first “birthday” verse… more )
Leopardefellhoot (Bob Dylan cover) (with Mike Herting)
All die Aureblecke (with Clueso)
You Ain’t Goin’ Nowhere (Bob Dylan & The Band cover) (with Julian Dawson)
Ruhe vor’m Sturm
Kristallnaach
Arsch huh, Zäng ussenander
Nemm mich met

Encore:
Wenn et Bedde sich lohne däät
Jeisterfahrer
Verdamp lang her (all guests but Mike Herting on stage)

Encore 2:
Do kanns zaubere
Rita, mir zwei
Maat et joot (Wolfgang Niedecken & Complizen cover)
Wenn ahm Ende des Tages