Marmor, Stein und Eisen bricht…

BAP – Congreßzentrum, Wolfsburg; February 15th, 1989

Nachdem das ursprünglich für Oktober der Vorjahres geplante Konzert wegen Krankheit von Wolfgang Niedecken verschoben werden musste, war es nun also endlich soweit: Mein allererstes Konzert. Ich war extrem aufgeregt und konnte nicht mal erahnen, was mich erwartete. Zunächst stellte ich gleich bei meiner Ankunft fest, daß schon ziemlich viele Leute vor der Tür standen, dabei war doch noch gar nicht Einlaß. Wat woss ich domohls schon ?!

Also anstellen und warten, dann irgendwann endlich rein. Vor lauter Aufregung erstmal auf die Toilette. Und wo ist hier eigentlich die Halle? Ah ja, da. Meine Güte, so viele Leute, alles voll in den ersten Reihen. Was mache ich bloß mit meiner Jacke? Hm, die anderen sitzen alle auf dem Boden. Dann mache ich das auch mal. Weiter warten.

Irgendwann ging es dann los. Alles sprang auf und drängte nach vorne, das Saallicht ging aus, die Fans zählten herunter und die Band ließ noch ein bißchen auf sich warten. Koot nach Aach war’s, als sie endlich die Bühne betraten. Die ersten Töne von der Bühne und ohrenbetäubendes Geschrei im Saal. Augen nach vorne, Arme nach oben und gespanntes Lauschen. Die Jacke lag längst vergessen irgendwo auf dem Boden.

Alles fing mit ‘Stadt im Niemandsland” dem Opener des aktuellen Albums ‘Da Capo’ – alle sangen und klatschte begeistert mit, ich brauchte nicht wirklich lange, um mich dem anzupassen. Mit ‘Alexandra, nit nur do’ folgte Älteres und spätestens beim nächsten Song ’10. Juni’ kannte mein Glücksgefühl kaum Grenzen, hatte ich doch nicht unbedingt erwartet, einen meiner Favoriten zu hören. Eigentlich hatte ich überhaupt nichts erwartet. wie ein Konzert “funktioniert” wusste ich zu dem Zeitpunkt ja noch nicht, hatte mich einfach blauäugig in dieses Abenteuer gestürzt, ohne etwas von den Auswirkungen zu ahnen.

‘Sandino’ führte wieder zum aktuellen Album, danach gab es – zu meiner großen Überraschung die Coverversion des Peter Gabriel Songs ‘Biko’. Die Kölsche Version gefiel mir sofort. Von Afrika nach China ging es mit ‘Shanghai’, danach zum vorherigen Album mit ‘Ahl Männer, aalglatt’ und mit ‘Rääts un links vum Bahndamm’ und ‘Fortsetzung folgt’ wieder zum aktuellen. Alles  gefiel mir, ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und ich machte einfach das, was alle anderen auch machten: Mitsingen, klatschen und herumhüpfen. Ich hätte auch gar keine Möglichkeit gehabt das nicht zu tun, denn wir standen relativ gedrängt.

Die Mischung aus älteren und aktuellen Stücken ging  so weiter, ich hatte längst die Zeit vergessen und ging voll auf in dieser Stimmung und der Menge um mich herum, die jedes Lied zelebrierte. Ich sang mit wo ich konnte und auch die nach oben gereckten Arme blieben fast das ganze Konzert über dort, die klatschenden Hände bewegten sich automatisch.

Ich hatte mir vorab keine Vorstellung davon gemacht, welche Lieder sie wohl spielen mochten. auch wußte ich nicht, ob die Setlist ungewöhlich war oder das, was sie jeden Abend spielen, aber mir gefiel’s. sie spielten alles vom aktuellen Album ‘Da Capo’ und darüber hinaus noch viele meiner Lieblingsstücke von den äteren Alben, Klassiker wie ‘Verdamp lang her’ und ‘Kristallnaach’ genauso wie ‘Lisa’ oder ‘Drei Wünsch frei’. Mit ‘Vadder’ von Wolfgang Niedecken’s ‘Schlagzeiten’ Album, gab es sogar ein für mich unbekanntes Stück und mit ‘Eez steht da Manhattan’ (First we take Manhattan) eine weitere Coverversion.

Irgendwann war dann alles vorbei, der Zugabenblock war abgeschlossen, das Saallicht an und ein Teil des Publikums hatte den Saal bereits verlassen. Allerdings waren die, die noch vorne standen, so lautstark am Klatschen und ‘Stell dir vüür’ singen, dass die Band tatsächlich noch einmal rauskam und nach der kurzen Frage “Wollt ihr, dass wir morgen das Konzert in Münster nicht spielen können?” noch als letzte Zugabe ‘Marmor, Stein und Eisen bricht’ spielte, bevor sie nach beinahe 4 Stunden die Bühne endgültig verließen.

Danach war ich für alle Zeiten angefixt mit der Droge “Konzert” und dieses erste wurde zum Maß all derer, die noch folgen sollten.

Setlist

Stadt im Niemandsland
Alexandra, nit nur do
10. Juni
Sandino
Biko
Shanghai
Ahl Männer, aalglatt
Rääts un links vum Bahndamm
Fortsetzung folgt
Anna
Daat däät joot
Frau ich freu mich
Bunte Trümmer
Endlich allein
Jraaduss  (Intro “Wantd Dead or alive” von Bon Jovi)
Ruut wieß blau querjestriefte Frau
Helfe kann dir keiner
Lisa
Eez steht he Manhattan
Drei Wünsch frei
Almanya
Kristallnaach
Saison der Container
Op dä Deckel vum Clown
Verdamp lang her
Vadder
Wahnsinn (Intro “Einer geht noch, einer geht noch rein…”)
Peter Gunn
Cadillac
Häng de Fahn eruss
Waschsalon
Do kanns zaubere
Nemm mich met
Flüchtig
Jupp
Born to be wild (Into “Ballade pour Adeline”)
Wellenreiter
Marmor, Stein und Eisen brich

Anmerkung: Geschrieben habe ich das hier aus der Erinnerung, über 20 Jahre später.
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