Dausende Vun Liebesleeder

BAP – König Pilsener Arena, Oberhausen; May 31st 2016

Auf jeder ihrer Touren mindestens ein BAP Konzert zu sehen, gehört zu meinem “Standardprogramm” solange es in meinem Leben Konzerte gibt. Mal sind es mehr. mal weniger, aber ich glaube seit ‘Da Capo’ habe ich nur eine Tour völlig ausgelassen. Mit “Lebenslänglich” hat die Band ein Album vorgelegt, dass mich seit langem mal wieder wirklich begeistert hat. Anders gesagt: nach mehreren Alben, die zwar nicht schlecht waren, mit denen ich aber nicht so viel anfangen konnten, spricht dieses zu mir und traf mich voll ins Herz. Dementsprechend freuet ich mich darauf, die Band endlich wieder zu sehen und war gespannt, wen ich nach Jürgens Ausstieg hinter den Drums finden würde. Jetzt ist von der Besetzung in der ich BAP 1988 kennengelernt habe, nur noch Wolfgang übrig geblieben. Werner, der nach ihm der Dienstälteste ist, ist allerdings auch schon 20 Jahre dabei.

So machte ich mich also voller Vorfreude an einem Dienstagabend auf nach Oberhausen. Seit es nur noch Sitzplätze gibt, muss man zwar früh Tickets kaufen, aber nicht mehr stundenlang vorher da sein. Der Platz war gut, die Halle füllte sich langsam. Die Fans sind mit der Band gealtert, ich gehörte zu den jüngeren. Die Wartezeit ging schnell vorbei durch Gespräche mit alten Bekannten. Vill passiert, seit wir uns irgendwann mal auf einem dieser Konzerte trafen. Sie erzählten kurz was bisher auf der Tour geschah und ich freute mich noch mehr. Er konnte nur gut werden.

Vorher hatte ich mich gefragt, ob bei den ersten Tönen die Menschen aufspringen und nach vorne laufen würden, so wie bei anderen Konzerten oft gesehen, aber die Absperrung vor der Bühne suggerierte das sei nicht erwünscht. erstaunlicherweise stellte das auch niemand zur Debatte. Brav sitzen bleiben taten die meisten aber auch nicht, es war ein auf und nieder je nach Tempo der Songs und irgendwie war es immer OK, wenn sich jemand nicht mehr auf dem Sitz halten konnte und aufsprang. Kein “Setzen! Ich seh’ nix!” und auch sonst keine bösen Worte, statt dessen angenehme Atmosphäre, in der alle gemeinsam feierten und das Konzert genießen konnten, alle so wie es ihnen am besten gefiel. <3

Sie fingen and mit ‘Frau ich freu mich’ und schon bei den ersten Tönen wusste ich: Das sind immer noch meine BAP, das ist trotz aller Veränderungen immer noch die Band, die mich damals bei meinem allerersten Konzert überhaupt so begeistert hat, dass mich das Konzertfieber nie wieder los ließ. Und das ist noch immer die Band, die mich nach all den Jahren noch so tief berührt, dass mir die Tränen an diesem Abend mehrfach über das Gesicht liefen. Die Band, bei der ich nicht still sitzen kann, mich wieder wie ein Teenager fühle und die Band, die immer noch und immer wieder ein Lächeln auf mein Gesicht zaubert.

Es klappt nicht immer mit meiner Verbindung zu dieser Band. Ich kann zwar jedes Konzert genießen, aber nicht jedes Mal bin ich so involviert, dass ich die Welt um mich herum für drei Stunden vergessen kann und nur noch den Moment lebe. An diesem Abend war es mal wieder so weit. Ich weinte und lachte. fühlte jeden der Songs, sang so laut und inbrünstig mit, dass mir gegen Ende die Stimme versagte und überliess mich meinen Emotionen. Am Ende erfüllte mich tiefe Dankbarkeit und es fiel mir einer der Sprüche meines Vaters ein: “Dat ich dat noch erleben durfte”.

 

Ich weiss nicht mal mehr, welche Lieder mich besonders begeisterten, was mich zu Tränen rührte oder wo ich vielleicht am lautesten mitsang, aber ich weiss, dass die Setlist funktionierte, dass es eine gute Mischung war aus neu und alt, schnell und langsam, dass irgendwann die ganze Halle stand und mitsang. Die neuen Mitglieder haben sich prima integriert, alles funktioniert reibungslos, sie sind wirklich eine Band. Wolfgang hat sich nie gescheut, aktuelles Zeitgeschehen zu kommentieren und tut das auch noch heute, ob durch die Auswahl der Songs oder die Geschichten die er dazu erzählt. So erfuhren wir von den Flüchtlingen, die er in Afrika gesehen hatte, an der Küste, warten auf eine Chance, auf die andere Seite zu kommen und hörten in ‘Vision von Europa’ , was möglicherweise schon hinter ihnen lag. Wir lernten, dass alle Kölner wenn es wichtig wird ins Hochdeutsche verfallen und dass wir alle durch ‘Absurdistan’ reisen. Auch ‘Kristallnaach’, heute aktueller denn je, machte mir wiedre einmal bewusste, dass wir nach wie vor nichts aus unserer Vergangenheit gelernt haben.

Die Frage “Hührt mir noch einer zo” auch ‘Alles relativ’ ist manchmal durchaus berechtigt. Ja, es gab auch persönliche Geschichten; Anmerkungen dazu, dass heute niemand mehr nach Autogrammen fragt und man beim Selfie ja nicht reden darf, weil sonst alles verwackelt und natürlich Liebesleeder. Viele davon. Bei einem der bekanntesten ‘Do kann zaubre’ gingen überall im Saal die Handy-Lampen an. Viel schöner fand ich es aber, dass vereinzelt noch echte Feuerzeuge dabei waren. 🙂 ‘Verdamp lang her’ durfte natürlich nicht fehlen und falls bis dahin noch jemand in der Halle nicht begeistert war, damit wurden dann auch die letzten von ihren Sitzen geholt. Es waren aber nicht nur die alten Kracher, die Begeisterung hervorriefen. Diese Publikum kannte die Band, war mit ihr gewachsen und sehr viele konnten wirklich alles mitsingen. BAP wurden gefeiert und bejubelt, genauso wie es sein sollte.

Ich freute mich einfach, dabei sein zu dürfen und als irgendwann Wolfgang zu mir herüber schaute, fraget ich mich, ob er mich noch kennt. Die Zeiten, in denen ich der Band ständig hinterher fuhr sind lange vorbei, aber die Erinnerung ist noch da. Wirklich wichtig war das nicht, wichtig waren nur all die erlebten und geteilten Augenblicke über die Jahre und an diesem Abend. Es war schön! Danke, BAP!

Setlist

Frau, ich freu’ mich
Ne schöne Jrooß
Nix wie bessher
Forsetzung folgt
Für ‘ne Moment
Jupp
Aff un zo
Alles relativ
Die Ballade vom Vollkasko-Desperado
Absurdistan
Vision von Europa
Diego Paz wohr nüngzehn
Unger Krahnebäume
Dausende von Liebesleedern
Jraaduss
Paar Daach fröher
Alles em Lot
Do kanns zaubre
Kristallnaach
Arsch huh, Zäng ussenander
Verdamp lang her

Halv su wild
Alexandra, nit nur do
Dä Herrjott meint et joot met mir
Amerika
Rita, mir zwei
Unendlichkeit
Et letzte Leed

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