Diss Naach, do jilt et…

BAP – König Pilsener Arena, Oberhausen; October 9th, 2018

Nun war es also mal wieder so weit. Mein zweites BAP Konzert in diesem Jahr und mein 60. insgesamt hatte mich nach Oberhausen geführt. Eigentlich hatte ich für die Herbsttour drei Konzerte geplant. Bielefeld hatte ich dann schon im Vorfeld gegen Ólafur Arnalds eingetauscht und auf Wuppertal dann leider aus Krankheitsgründen verzichten müssen. Da ich am nächsten Morgen um 7 in einem Flieger Richtung London sitzen wollte, passte mir diese Konzert auch nicht so recht in meine Planung, aber so ganz ohne BAP wollte ich das Konzertjahr doch nicht beenden. Nach gut 3 Stunden Musik war ich dann auch froh, dass ich mich aufgerafft hatte.

Wie das bei Sitzplatzkonzerten so ist, kam ich etwa zum Einlass an der Halle an und war erstmal überrascht, dass wir nicht direkt von den Bushaltestelle zur Halle gehen konnten, sondern sozusagen außenrum gelotst wurden. Schon unten an der Treppe wurden die Tickets überprüft und oben an der Halle gab es Kontrollen wie am Flughafen mit Metalldetektoren. Ob das wirklich was bringt, abgesehen von einem Gefühl der Unsicherheit, sei dahingestellt, aber et ess wie et ess. Bekannte Gesichter sah ich wenige und die übliche vor dem Konzert Unterhaltung fällt auch weitgehend weg, wann alle erst kurz vor Beginn eintrudeln. Dafür muss man aber auch nicht mehr stundenlang rumstehen.

Um kurz nach 8 passierte noch nicht viel, aber dann ging doch bald das Saallicht aus und die Band kam auf die Bühne. Wieder war Marius statt Werner am Bass. Wie schon im Juni in der Kölnarena ging es mit ‘Drei Wünsch frei’ los. Es war nach wie vor ein guter Anfang und mir fiel sofort auf, das bei diesem Konzert nicht so viel mitgesungen wurde. Oder zu leise. gehört habe ich jedenfalls kaum jemanden. Bei ‘Waschsalon’ sprangen einzelne auf, aber das hielt sich in Grenzen und ansonsten blieb das Publikum lange sitzen, mich selbst eingeschlossen. Vielleicht sind wir doch bequem geworden. Wisch- wasch geht aber auch im Sitzen noch. 😀

Ich freute mich, dass ‘Psycho Rodeo’ noch in der Setlist war und überlegte, ob sie sich überhaupt geändert hatte. Erstmal stellte Wolfgang die Bläser vor and meinte es gäbe ja schon viel zu viele FAke News, da müsse man die Bläser nicht auch noch faken. Also hatte er echte eingeladen. Bei ‘Diss Naach ess alles drin’ konnten sie dann auch gleich wieder ihr Können zeigen. Anschließend dann die erste Überraschung dieses Abends. Ich erkannte ‘Deshalv spill mer he’ direkt an den ersten Tönen, auch wenn mir erstmal der Titel nicht einfiel. Den Refrain hatte ich jedenfalls sofort im Kopf. Ich weiss nicht wirklich, ob ich diese Lied jemals live gehört habe, aber wenn, dann ist das bestimmt ziemlich lange her. Kam auf jeden Fall gut und dazu hörten wir die Geschichte über eine Dokumentation zur damals deswegen abgesagten DDR Tour, Gespräche und die Erkenntnis, dass das Land immer noch zusammenwachsen muss. Die Band hat das ja schon geschafft.

Es folgte ‘Reinrassije Strooßekööter’ mit Familiengeschichten zu alten Fotos, die diesmal ausführlich erläutert wurden und auch dieses Mal rührte mich das Lied zu Tränen. Mit dem ‘Chippendale Desch’ und Geschichten über Wolfgangs Mutter ging es weiter und da durfte das Kölsche Mantra ‘Et ess wie et ess’ natürlich auch nicht fehlen. Bei irgendeinem dieser Songs spielte Anne Waschbrett und auch alle anderen legten sich mächtig ins Zeug an diesem Abend. Sie hatten sichtlich Spass und obwohl mir eine Erkältung in den Knochen saß, konnten sie mich mitreissen. Bei ‘Bahnhofskino’ musste ich schon wieder heulen und ‘Jupp’ war unglaublich rockig. DAs traut man dem Lied gar nicht zu. Es gab sogar Zwischenapplaus für Ulles Gitarrenarbeit und das Saxophon. Wolfgang ließ sich sogar hinreissen, etwas von “the Big Man” zu murmeln.

‘Faru ich freu mich’ und ‘Dausende vun Liebesleeder’ rockten noch mal richtig, bevor es etwas ruhiger wurde. Bei der Begrüßung am Anfang hatte Wolfgang schon auf  den Hoot hingewiesen. Diesen langjährigen Fan kannte ich bisher nur vom Hörensagen. Jetzt wurde erwähnt, dass der Schmal ja auch im Hause sei und er stand sogar auf und zeigte sich. Wolfgang erwähnte, das nächste Song habe er auf Tour geschrieben und es sei uraufgeführt wurden in Paderborn, am Tag als Helmut Kohl Bundeskanzler wurde, aber eben nur auf diesem einen Live Album drauf. Das erwähnte Lied war ‘Weißte noch?’, der erste Song des “(Liebes)lieder im Sitzen” – Teils und die zweite grosse Überraschung des Abends. Es hat sich schon sehr verändert seit damals, war aber schön. ‘Anna’, ‘Wie schön dat wöhr’ und ‘Do kanns zaubere’ machten das Quartett voll, aber das übliche Lichtermeer gab es nicht.

Bei ‘Nemm mich met’ standen dann wieder einige und auch ‘Absurdistan’ lud dazu ein. Bei den älteren Liedern wurde gefühlt deutlich mehr mitgesungen, aber das mag an der Ecke gelegen haben, in der ich saß. ‘Vision von Europa’ kam mit der zurecht beklatschten Ansage, dass es einfach nicht richtig ist, Menschen ertrinken zu lassen. Schade, dass das gesagt werden muss. Es sollte doch selbstverständlich sein. ‘Kristallnaach’ und ‘Arsch huh, Zäng ussenander’ passten ganz gut zur Stimmung, die derzeit nicht nur in Deutschland reicht und beendeten den Hauptteil des Konzerts. Die Band wurde vorgestellt, nicht ohne zu erwähnen, dass Werner krank ist, aber bei der nächsten Tour zurückkehren wird. Kurze Verschnaufpause für die Band, bevor wir sie zurück klatschten.

Der erste Zugabenblock war wie im Juni mit einigen eifrigen Mitschnipsern bei ‘Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau’. 😉 Ab ‘Nix wie bessher’ standen dann die meisten, der ‘Jebootsdaachspogo’ wurde einem Geburtstagskind im Publikum gewidmet und bei ‘Aff un zo’ sangen zu guter Letzt doch noch alle mit. Wieder verabschiedete sich die Band, aber, wie jemand hinter mir richtig bemerkte, hatten sie ‘Verdamp lang her’ noch nicht gespielt und kamen wieder. Zuerst wurden wir aber zum Mitsingen bei ‘Stell dir vüür’ aufgefordert und das klappte auch. Lange nicht gehört, glaube ich. Dann natürlich ‘Verdamp lang her’ und wieder war ich den Tränen nahe. Die endgültige Verabschiedung war dann das bewährte ‘Jraaduss’ und auch das konnten wir natürlich singen. Alles in allem war es ein schöner Abend, der mich zwar nicht so mitgerissen hat, wie das Konzert im Juni, aber den ich auch nicht hätte verpassen wollen. Bess zur nächste Tour!

Drei Wünsch frei
Waschsalon
Psycho-Rodeo
Diss Naach ess alles drin
Deshalv spill mer he
Reinrassije Strooßekööter
Chippendale Desch
Et ess, wie’t ess
Bahnhofskino
Jupp
Frau, ich freu mich
Dausende vun Liebesleeder
Weißte noch?
Anna
Wie schön dat wöhr
Do kanns zaubere
Nemm mich met
Absurdistan
Vision von Europa
Kristallnaach
Arsch huh, Zäng ussenander

Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau
Nix wie bessher
Jebootsdaachspogo
Aff un zo

Stell dir vüür
Verdamp lang her
Jraaduss

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