Girls just wanna have gigs

DCKS Festival – Tanzbrunnen, Köln; June 6th, 2022

Vier Tage später bin ich noch immer ganz geflasht vom DCKS Festival in Köln. Was für ein Lin-up! Was für eine Stimmung. Es war einfach nur unglaublich schön und ich habe noch nie so viele tolle Künstlerinnen and einem einzigen Tag erleb und selten so viele neue musikalische Entdeckungen in so kurzer Zeit gemacht. Bitte von jetzt an in jedem Jahr!

Es muß irgendwann in diesem Jahr gewesen sein, als ich auf youTube den Clip “Kein Rock am Ring” aus der Carolin Kebekus show sah, der sich damit beschäftigte, dass es auf den großen Festivals viel zu wenige Frauen auf den Bühnen gibt und beispielsweise bei Rock am Ring “das Bier mehr Prozente hat als die Frauen”. Daran sollte sich etwas ändern und so wurde beschlossen ein festival mit ausschließlich Frauen im line-up zu veranstalten. Es hatte ursprünglich im Mai stattfinden sollen und ich war sehr glücklich zu erfahren, dass der Termin dann der 6. Juni war, an dem ich Zeit hatte.

Ich gestehe hier freimütig, dass ich von dem Namen auf dem Plakat nur die No Angels und Hazel Brugger kannte, aber genau darum ging es ja: Frauen sichtbar zu machen und Künstlerinnen eine Bühne zu geben. Neben viel Musik gehörten dazu auch Talks runs um Frauen in Musik, Kunst und Wirtschaft. Es klang alles sehr spannend und ich freute mich schon vorher wie Bolle.

Also ging es am Pfingstmontag per Zug nach Köln und passend zum Einlass traf ich am Tanzbrunnen ein. Dort schon lange Schlangen mit Menschen aller Altersgruppen (ja, es waren auch Männer dabei). Schon vorher war die Stimmung angenehm, ich unterhielt mich nett mit den Umstehenden und auch der kurz einsetzende Rege störte niemanden. Einmal drinnen, suchte ich mir einen Platz in der ersten Reihe zwischen der Musik- und der Talkbühne. Auch dort sofort netter Kontakt mit den Umstehenden, der die Wartezeit verkürzte.

Pünktlich um 14:oo Uhr ging es los – Carolin Kebekus eröffnete mit den Beer Bitches und der DCKS Band das Festival. Sie spielten ein Medley bekannter Songs, neu vertextet und wurde unterstützt von einer Mädchengruppe einer lokalen Ballettschule, die noch “eben kurz” zwei Stunden vor der Show die Choreo gelernt hatten. Es war großartig und sofort merkt ich, dass hier etwas Besonderes passierte. Noch nie habe ich erlebt, dass bei einem Festival direkt beim ersten Akte das Publikum so laut war. Holy shit! Es war deutlich spürbar, dass alle Anwesenden einfach Bock auf diese Veranstaltung hatten – es wurde gekreischt, gejubelt und geklatscht als gäbe es kein Morgen. Das war so unerwartet und fühlte sich so gut an, dass mir direkt die Tränen in den Augen standen – nicht zum letzten Mal an diesem Tag.

Die erste Musikerin auf der großen Bühne war Donia Touglo. Ich weiß nicht, in welche Kategorie ich ihre Musik stecken soll, aber das ist auch gar nicht nötig. Die Beats rissen mich mit und ich war fasziniert von ihrem Gesang in verschiedenen Sprachen – Englisch, Deutsch, Französisch und etwas, was ich nicht erkannte. Laut ihrer Website schriebt sie auch noch in Ewe “and the language of her soul”. Was immer es gerade war, es war faszinierend. Ich hörte gerne zu und beobachtete begeistert, wie sie und eine Tänzerin über di Bühne glitten. Das Lächeln auf meinem Gesicht wurde immer breiter.

Anschließend lernten wir die Moderatorinnen Aminata Belli und Jeannine Michaelsen kennen, die uns durch den Tag führen würden und es ging auf der Talkbühne weiter zum Thema “Warum gibt es so wenig weibliche Acts auf Bühnen?” Gästinnen waren Leslie Clio, Elke Kuhlen, KUOKO und Luisa. Natürlich gibt es nicht zu wenige Künstlerinnen, wir müssen sie nur sichtbar machen.

Musikalisch ging es weiter mit Annie Chops, die ohne Band auftrat und ihre Songs zur Gitarre sang. Sie gefiel mir sofort – schöne Melodien, toll gesungen, Englische Texte. Im anschließenden Talk mit Parshad Esmaeili, LAura Larsson und Schiwa Schlei ging es um die Frage, warum so wenig weibliche Acts im Radio gespielt werden. Da war dann die Rede von einer angeblichen Studie, die vor Jahren festgestellt habe, dass die Menschen nicht so viele Frauenstimmen hören wollte. Say what??? Besonders berührend fand ich es, als Parshad Esmaeili von ihren Erfahrungen mit Haß im Netzt berichtete, der Frauen immer heftig trifft.

Mein absolutes Highlight des Tages war dann Luna, bei der mir vor Begeisterung direkt die Kinnlade zu Boden fiel. wie konnte es sein, dass ich diese Frau noch nicht kannte? Ihre Texte trafen mich direkt ins Herz, besser hätte es nicht sein können. Sie war einfach nur gut und auch ihre Bühnenpräsenz und die sehr gute Band überzeugten. Viele im Publikum sangen jedes Wort mit, was die Stimmung noch besser machte. Bei ‘Blau’ kamen mir direkt wieder die Tränen, als sie davon sprach, wie sehr sie ihre Mutter nach ihrem Coming out unterstützt habe und wie wichtig es ihr sei alle queeren Menschen die Botschaft zu geben, dass es für sie einen Platz gäbe und sie sich nicht verbiegen lassen sollten. ❤️ Tolle Frau, tolle Musik, mehr davon. Sofort im Anschluß googelte ich nach Konzerten und erfuhr, dass ihre Show in Dortmund leider bereits ausverkauft ist. Kein Wunder!

Im Talk danach mit Nadja Benaissa, Charly Klauser und Sandy Mölling ging es um die Frage “Wie ist es denn so als Musikerin und Künstlerin”. Sie alle berichteten von ihren Erfahrungen und s war wenig überraschend, wie vielen Klischees sie ausgesetzt waren und wie oft sie schlicht unterschätzt oder nicht ernst genommen wurden. Rapperin Ebow war vom Musikstil her am wenigsten meins, konnte aber dennoch bei mir Punkten. Ihre Texte sind super und auch sonst machet es Spaß ihr zuzusehen und zu hören.

Wie es Frauen in der Wirtschaft und als Unternehmerin geht versuchten Anne E. Connelly, Johanna Eicker und Diana zur Löwen zu klären und brachten dabei viel wissenswertes zur Sprache, bevor Mine die große Bühne rockte und das, obwohl sie eher dem Genre Pop angehört. Zu diesem Zeitpunkt war es mir schon lange egal, in welche Schublade die Künstlerinnen zu stecken seien. Lieber hörte ich einfach zu. Und was ich hörte gefiel mir. In Erinnerung geblieben ist mir der Song über das Meer aus Plastik (Hinüber) aber der ganze Auftritt war super. Noch immer wurde jede – zu Recht – ausgiebig gejubelt und ich fürchtete um das Durchhalten meiner Stimme bis zum Ende des Tages. Genau so sollte ein gutes Festival sein.

Wie Verantwortung und Change geht versuchten Micha Fritz und Dr. Auma Obama zu beantworten und es gab Gelächter als die versammelten Frauen bei der ersten Frage zunächst dem Mann das Wort geben wollten. Es gab besonders spannende Diskussionen um privilegiert sein, was das bedeutet und wie man damit umgehen kann oder sollte. Es folgte die Band, auf die, nach dem Gedränge vor der Bühne zu urteilen, besonders viele gewartet hatten – die No Angels. Ich erinnerte mich noch gut, wi sie damals bei Popstars gecastet wurden und dass ich wenig begeistert war, aber damals war ich auch deutlich mehr in patriarchalen Strukturen gefangen als heute. Was soll ich sagen? Der Auftritt war Bombe! es wurde lautstark mitgesungen und sogar Carolin Kebekus war bei einem Lied dabei. Man sah der Band den Spaß an, ich liebe die Choreo und die kleinen, schönen und witzigen Momente, wie die vor Begeisterung in die Luft springende Lucy oder die Unterstützung durch Halten des Micros zum Singen, als Sandy sich die Schuhe zubinden musste.

Auf der Talkbühne sagte Aminata an, sie hätten alle keine Stimme mehr, deshalb gäbe es jetzt mehr Musik. Charly Klauser, die Schlagzeugerin der DCKS Band, stellte ihre solo Songs vor und ließ mein Herz für Singer/Songwriter höher schlagen. Karolin „Cage“ Gärtner begeisterte mit ihrer Super-Stimme und Hazel Brugger stürzte sich direkt ins Publikum, um Menschen zu interviewen. So erfuhren wir dann, dass die Schlangen an den Essensständen zu lang waren (stimmt, länger als am Klo), das Festival sonst aber gut. Sie ließ sich dann im wahrsten Sinne des Wortes auf Händen zu Bühne zurücktragen – umgekehrtes Stage diving. Anschließend versammelten sich nochmal Carolin Kebekus, Hazel Brugger, Aminata Bell und Jeannine Michaelsen zum Selfie mit uns allen und forderten auf, mit dem Hashtag #GirlsJustWannaHaveGigs darauf aufmerksam zu machen dass wir gerne öfter solche Festivals hätten. Ja klar doch!

Den krönenden Abschluss bildete dann Lea, die mich mit schönen Popsongs nochmal zum träumen brachte. Ich stellte dann auch fest, dass ich sie aus dem Radio kannte. Besonders gefiel mir das Lied, das sie für ihre Eltern geschrieben hatte für all die Unterstützung, die sie dort erfahren hatte. Es war ein tolles Ende eines gigantisch guten Festivals. Leider musste ich vor den letzten Tönen zum Zug, kann aber nur nochmal betonen, wie sehr ich ten Tag genossen habe. Vielen Dank an alle Beteiligten. Ihr habt ich sher glücklich gemacht und es war die Reise auf jeden Fall wert!

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